Nähe und Distanz
Zwei kleine Igel haben sich in einem Laubhaufen ein kuscheliges Nest gebaut. Es wird kalt, und sie suchen in ihrem Nest die Wärme. Sie rücken nah aneinander. Sie spüren die Wärme und Nähe des anderen wohlig und gemütlich.
Es wird noch kälter. Sie rücken noch näher zusammen. Aber da pickt es und tut weh. Sie rücken auseinander, und sie frieren. Sie rücken wieder zusammen und tun sich weh. So versuchen sie ihr Miteinander zwischen Nähe und Distanz so zu leben, dass Nähe nicht verletzend und Distanz nicht frierend macht.
Das ist im Miteinander von Menschen nicht so einfach, dem anderen so nah zu sein, ohne ihm weh zu tun, und ihn freizulassen, ohne ihn allein zu lassen. Wie oft war die Nähe erdrückend und die Distanz erkältend.
Die Nähe muss den anderen freilassen und die Distanz den anderen festhalten.
Wenn ich die Nähe brauche, macht sie den anderen vielleicht kaputt.
Wenn ich Distanz möchte, macht sie den anderen vielleicht gerade todeinsam.
Wir müssen es immer wieder versuchen, uns so nah wie möglich und so entfernt wie nötig zu sein.
Nur die Liebe wird die Nähe und Distanz zugleich sein.
Oliver Salzmann
Ich danke dir mein Wohl,
mein Glück in diesem Leben.
Ich war wohl klug,
dass ich dich fand.
Doch ich fand nicht,
Gott hat dich mir gegeben.
So segne keine andere Hand.
Matthias Claudius
Aus Augenfreundliche Reihe, 195
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